I. Position: Osten/oben
Dieser relativ deutliche Abdruck stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit
von einem bekannten Brakteaten aus dem Braunschweiger Gebiet,
beschrieben und zugeordnet z.B. von:
1) Fiala(1910);Nr.373-375(Tfl.VI/35); geprägt unter:Herzog Albrecht d.Große
v.Braunschweig (1252-1279)
2) Welter(1971);Nr.221 (Tfl.lX/221); geprägt unter: Herzog Albrecht d.Große
v.Braunschweig (1252-1279)
3) Fd.v.Cösitz(1908)(vergraben vor Mitte d.14.Jh.);Nr.94(Tfl.175/39);
geprägt von: Stadt Braunschweig
4) Denicke(1988);Nr.289(m.Abb.); geprägt von: Stadt Braunschweig
(1294(?)-1412), jedoch:"Möglicherweise noch eine herzogliche
Prägung"!
5) Slg.Bonhoff(1977);Nr.406(m.Abb.); geprägt unter: Herzog Albrecht Magnus
v.Braunschweig (1252-1279)
Summa:
Wahrscheinlich herzogliche Prägung in Braunschweig in der 2.Hälfte des
13.Jahrhunderts.
II. Position: Osten/rechts
Der nur mäßig prägnante Abdruck ließ sich trotz seiner vorhandenen
Struktur mit vertretbarer Wahrscheinlichkeit keinem der vielen
überprüften Originale unmittelbar zuordnen. Als Prägebildtypen kommen
u.a. in Frage:
a) 1) Fd.v.Brümmerlohe(1922) (vergraben um 1240);Nr.8(Tfi.247/8);
geprägt von: Erzbistum Bremen o.Bistum Minden/Verden
2) Jungk(1875);Nr.14(oder 15)(Tfl.1/14 oder 2/15); geprägt:
wahrscheinl. im Erzbistum Bremen (1.Hälfte d.13.Jhs.)
3) Jesse(1967);Nr.139(m.Abb.); geprägt in: Bremen unter Erzbischof
Siegfried (1179-1184)
b) 1) Fd.v.Brümmerlohe(1922)(vergraben um 1240);Nr.23(m.Abb.);
geprägt in: Salzwedel
2) Eberhagen(1987);Nr.67(Tfl.lV/67); geprägt in: Salzwedel (um
Mitte d.13.Jhs.)
Eine etwas entferntere Typenähnlichkeit besteht auch mit:
c) 1) Thormann(1976);Nr.279(Tfl.XII/279), geprägt unter: Nachfolger
v. Fürst (Graf) Heinrich I. v. Anhalt (2.Hälfte d.13.Jhs.)
(o.ä.: Thormann(1976);Nr.276 - 278a)
- 37 -
Summa:
Herkunft des Originals unklar; Prägezeit entsprechend dem anscheinend
vorliegenden Brakteatentypus wohl etwa um Mitte des 13.Jahrhunderts.
III. Position: Osten/unten
Die zwar recht profilierte, sich jedoch nur ziemlich undeutlich
präsentierende Struktur dieses Abdrucks erlaubt keine sichere
Identifizierung mit einem bekannten Original. Ähnlichkeiten im Typus
bestehen anscheinend z.B. mit:
a) 1) Eberhagen(1989);Nr.213 (aber auch: 205-212,214)(m.Abb.);geprägt
in: Salzwedel (2.Hälfte d.14.Jhs.; jedoch entspr.: Eberhagen
(1992) /44/ evtl. schon vor Mitte d. 14.Jhs.!)
b) 1) Eberhagen(1987);Nr.76(Tfl.IV/76); geprägt in Salzwedel (2.Hälfte
d.13.Jhs.(?) bis Mitte d.14.Jhs.)
In Frage kommen könnte vielleicht auch der Typus:
c) 1) Thormann(1976);Nr.270(Tfl.XII/270 u.XXII/270); geprägt unter:
Nachfolger v. Fürst (Graf) Heinrich I. v.Anhalt (2.Hälfte d.
13.Jhs.),und eventuell auch z.B. (hier ohne Abbildung):
2) Slg.Bonhoff(1977);Nr.52(m.Abb.); geprägt in: Verden unter Bischof
Konrad v.Braunschw.-Lüneburg (1269-1300)
Summa:
Das Original für den Abdruck ist nicht sicher bestimmbar. Seine
Prägung könnte aber entspr. dem Typusvergleich möglicherweise in die
Zeit vom Ende d.13.Jhs. bis Mitte d. 13. bis 14.Jhs. fallen.
IV. Position: Osten/links
Der Abdruck weist ein zwar nur mäßig profiliertes, aber dennoch recht
zweifelsfrei zu identifizierendes Prägebild auf, das sich relativ
sicher zuordnen läßt:
a) 1) Fiala( 1910);Nr.773(Tfl.VII/33); geprägt unter: Wahrsch.Herzog
Otto der Strenge v.Lüneburg (1277-1330)
2) Welter(1971);Nr.263(Tfl.X/263); geprägt unter: Herzog Otto der
Strenge v.Lüneburg (1277-1330)
b) 1) Oertzen(1900);Nr.171(TfI.V/171); geprägt in: Mecklenburg
(seit Ende d. 14.Jhs.)
2) Jesse(1967);ähnl.Nr.291(m.Abb.); geprägt in: Wismar (2.Hälfte
d.15.Jhs./16.Jhs.)
3) Fd.v.Westerborstel(1948)(vergraben1480-1490);ähnl.Nr.1-7(m.Abb.);
geprägt in: Mecklenburg (Röbel?) (2.Hälfte d.15.Jhs.); vergl.
- 38 -
dazu auch: Tietjen,Aukt.65(Mai 1992),S.34:Anm.zu Nr.619!
Summa:
Der ziemlich deutliche Abdruck paßt gleichermaßen zu dem Brakteaten
a) des Herzogtums Lüneburg aus der Zeit um etwa 1300 wie auch zu dem
Blaffert b) aus Mecklenburg/Wismar, geprägt gegen Ende des 15.Jhs..
Eine sichere Entscheidung zwischen diesen beiden zeitlich sehr
weit auseinander liegenden Möglichkeiten kann auf der Grundlage des
Abdrucks allein kaum getroffen werden!
V. Position: Osten/mitte
Bei diesem Abdruck sind die Strukturen zwar einigermaßen erkennbar,
aber doch ziemlich verlaufen, so daß wohl dessen Typus, jedoch nicht
das Original selbst eingegrenzt werden kann. Es kommen in Frage:
a) 1) Schönemann(1852);Nr.21(Tfl.VII/21); geprägt von: Stadt
Braunschweig (1345-1412)
2) Denicke(1988);Nr.290(m.Abb.); geprägt von: Stadt Braunschweig
(1294(?)-1412)
b) 1) Fiala(1910);Nr.409(Tfl.VI/26); geprägt unter: Herzog Heinrich
d.Wunderl. v. Braunschweig (1286-1322)
2) Welter(1971);Nr.270a(ohne Abb.); geprägt unter: Herzog Heinrich
d.Wunderl.v. Braunschweig (1286-1322)
3) Schönemann(1852);Nr.22(Tfl.VII/22); geprägt von: Stadt
Braunschweig (1345-1412)
4) Denicke(1988);Nr.310(m.Abb.); geprägt von: Stadt Braunschweig
(1294(?)-1412)
Bemerkung:
Auch die Originale a) und b) zum Abdruck:Westen/unten gehören zu diesem
Prägetypus b)!
c) 1) Schönemann(1852);Nr.41(TfL.X/41); geprägt von: Stadt Braunschweig
(1345-1412)
2) Denicke(1988);Nr.297(m.Abb.); geprägt von: Stadt Braunschweig
(1294(?)-1412)
Summa:
Nach dem anscheinend vorliegenden Prägetypus wird das Original dieses
Abdrucks wohl eine Prägung der Stadt Braunschweig aus der 1.Hälfte(?)
des 14.Jhs. gewesen sein.
- 39 -
B. Brakteatenabdrücke auf der Glockensüdseite
I. Position: Süden/oben
Hier handelt es sich um einen recht markanten
und relativ klaren Abdruck, der mit hoher Wahrscheinlichkeit der
folgenden Braunschweiger Prägung zugeordnet werden kann:
a) 1) Schönemann(1852);Nr.5(Tfl.lX/5);.,geprägt von:
Stadt Braunschweig (1345-1412)
Nach Engelke /45/ hatte der Brakteat noch den relativ hohen
Silberfeingehalt: (12 Lot 1 Quentin) =: 765/1 000!
2) Fiala(1910);Nr.410(Tfl.VI/27); geprägt unter: Herzog Heinrich
d.Wunderl. v.Braunschweig (1286-1322)
3) Welter(1971);Nr.266b(ohne Abb.); geprägt unter: Herzog Heinrich
d.Wunderl. v. Braunschweig (1286-1322)
4) Slg.Löbbecke(1925);Nr.255(Tfl.lX/255); geprägt von: Stadt
Braunschweig ( 1 4.Jh.)
5) Denicke(1988);Nr.256(m.Abb.); geprägt von: Stadt Braunschweig
(1294 (?) -1412)
Summa:
Das Original dieses Abdrucks war mit großer Wahrscheiniichkeit eine
Prägung des Herzogtums oder (wohl eher) der Stadt Braunschweig aus der
1.Hälfte des 14.Jahrhunderts.
II. Position: Süden/rechts
Der im Prägebildbereich nicht sehr profiiierte Abdruck läßt die
enthaltenen Strukturen lediglich mit geringer Deutlichkeit erkennen,
so daß auch der Prägetypus nur etwas unsicher zu identifizieren ist.
Dabei könnte es sich handeln um:
a) 1) Jungk(1875);Nr.19(Tfl.ll/19); geprägt in: Erzbistum Bremen
(1.Hälfte d.13.Jhs.)
b) 1) Bahrfeldt(1889);Nr.307(Tfl.XI/307); geprägt in: Salzwedel
(2.Hälfte d.13.Jhs.)
2) Eberhagen(1987);Nr.59(Tfl.lll/59); geprägt in: Salzwedel
(um Mitte d.13.Jhs.)
Summa:
Vom vermuteten Prägetypus her zu urteilen, könnte der Abdruck von einem
norddeutschen Brakteaten etwa aus der Mitte des 13.Jahrhunderts
stammen.
- 40 -
III. Position: Süden/unten
Der zwar etwas flache, jedoch verhältnismäßig deutliche Abdruck scheint
mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Zuordnung zu dem folgenden
Brakteaten zuzulassen:
a) 1) Fd.v.Borne(1907/8)(vergraben: 1.Hälfte d.13.Jhs.);
Nr.55(Tfl.XXI/55); geprägt unter: Erzbischof Wilbrand
v.Käfernburg in Magdeburg (1235-1254)
2) Slg.Bonhoff(1977);Nr.750(m.Abb.);geprägt unter: Erzbischof
Wilbrand v.Käfernburg in Magdeburg (1235-1254)
Vergl.aber dazu auch: Fd.v.Zeitz(1887)(vergraben: Letztes Drittel
d.13.Jhs.); Nr.3 u.4(Tfl.VI/3u.4); geprägt unter: Erzbischof
Rudbrecht v.Querfurt in Magdeburg (1260-1266)
Summa:
Der Abdruck stammt wahrscheinlich von einem um die Mitte des
13.Jahrhunderts im Erzbistum Magdeburg geprägten Brakteaten.
IV. Position: Süden/links
Der mäßig deutlich strukturierte und nur leicht zerlaufene Abdruck
erlaubt mit einiger Wahrscheinlichkeit eine Zuordnung zum Prägetypus:
a) 1) Schönemann(1852);Nr.9(Tfl.lX/9); geprägt von: Stadt Braunschweig
(1345-1412)
Nach Engelke(1926) betrug der Silberfeingehalt dieser
Münze 694/1000 /46/, bzw. 725/1000 /45/.
2) Denicke(1988);Nr.262(m.Abb.); geprägt von: Stadt Braunschweig
(1294 (?)-1412)
b) 1) Fd.v.Cösitz(1908)(vergraben vor Mitte d.14.Jhs.);Nr.89; geprägt
von: Stadt Braunschweig
2) Schönemann(1852);Nr.10(Tfl.lX/10); geprägt von:Stadt Braunschweig
(1345-1412)
3) Denicke(1988);Nr.263(m.Abb.); geprägt von: Stadt Braunschweig
(1294 (?)- 1412)
Bemerkung:
Auch das Original zum obigen Abdruck: Suden/oben gehört zu diesem
Prägetypus!
Summa:
Wahrscheinlich stammt dieser Abdruck von einem in der 1. Hälfte des
14.Jahrhunderts geprägten Brakteaten der Stadt Braunschweig.
- 41 -
V. Position: Süden/mitte
Trotz verhältnismäßig reichlich vorhandener Struktur erweist sich
dieser Abdruck wegen der erheblichen Verschwommenheit seiner Details
gegenüber einer Zuordnung zu einem bekannten Brakteaten als nur schwer
zugänglich. Möglicherweise liegt hier einer der folgenden Prägetypen
vor:
a) 1) Slg.A., Teil ll(1987):B.Peus,Aukt.31 9(Nov.1987),Nr.821
(Tfl.XX/82 1 ); geprägt unter: Erzbischof Albrecht
v.Käfernburg in Magdeburg (1205-1232)
b) 1) Bahrfeldt(1889);Nr.301(Tfi.X/301); geprägt in: Salzwedel
(2.Hälfte d. 13.Jhs.)
2) Eberhagen(1987);Nr.56(Tfl.lll/56); geprägt in: Salzwedel (um
Mitte d.13.Jhs.)
Eine gewisse Typenähniichkeit scheint u.a. auch zu bestehen mit:
c) 1) Bahrfeldt(1889);Nr.272(Tfl.X/272); geprägt in:
Brandenburg-Neustadt (2.Hälfte d.13.Jhs.)
Summa:
Vom ersten Eindruck her, aber auch nach den in Frage kommenden
Prägetypen, könnte für den Abdruck ein Brakteat unbekannter Herkunft
ungefähr aus der Mitte des 13.Jahrhunderts (oder vorher?) verwendet
worden sein.
C. Brakteatenabdrücke auf der Glockenwestseite
I. Position: West/oben
Der relativ profiliert wirkende Abdruck scheint hinsichtlich seines
Originals bei den in seinem Prägebiid nur moderat verschwommenen
Details eine einigermaBen wahrscheinliche Angabe von dessen Prägetypus
zu erlauben. Dafür fanden sich:
a) 1) Slg.Löbbecke(1925);Nr.879(Tfl.XXXVII/879); geprägt von:
Abtei Fulda (Ende d.13.Jhs.)
2) Slg.Bonhoff(1977);Nr.1380(m.Abb.); geprägt von: Abt Heinrich V.
in Fulda (1288-1313)
b) 1) B.Peus,Aukt.328(Mai1990);Nr.1440/Tft.LXVlll/1440); geprägt unter:
Herzog Albrecht I. in Wittenberg (1212-1260)
2) Schulten/Köln,Aukt.(Okt.1990);Nr.1640(m.Abb.);geprägt in:
Unbekannte Hessisch.Münzstätte (um 1300)
- 42 -
Summa:
Nach dem anscheinend vorliegenden Prägetypus könnte der Abdruck von
einem wohl gegen 1300 hin an einem nicht zu ermittelnden
(mitteldeutschen?) Ort geprägten Brakteaten stammen.
II. Position: Westen/rechts
Trotz leichter Verschwommenheit und nur mäßig vorhandener Profilierung seines
Prägebildes scheint die Struktur des Abdrucks für eine Festlegung des
Prägetypus vom verwendeten Original doch noch ausreichend erkennbar, wobei es
sich handeln könnte um:
a) 1) Schönemann(1852);Nr.29(Tfl.lX/29); geprägt von:Stadt Braunschweig
(1345-1412)
2) Denicke (1988);Nr.285(m.Abb.); geprägt von: Stadt Braunschweig
(1294(?)- 1412)
Summa:
Auch dieser Abdruck wird wohl von einem in der 1. Hälfte (?) des
14.Jahrhunderts von der Stadt Braunschweig geprägten Brakteaten
stammen.
III. Position: Westen/unten
Das relativ ausgeprägte Profil und die einigermaßen deutliche Struktur
des Abdrucks macht folgenden Prägetypus für den verwendeten Brakteaten
wahrscheinlich:
a) 1) Schönemann(1852);Nr.52(Tfl.X/52); geprägt von: Stadt Braunschweig
(1345-1412)
2) Denicke(t 988);Nr.323(m.Abb.); geprägt von: Stadt Braunschweig
(1294(?)-1412)
b) 1) Schönemann(1852);Nr.60(Tfi.X/60); geprägt von: Stadt Braunschweig
(1345-1412)
2) Denicke(1988);Nr.330(m.Abb.); geprägt von: Stadt Braunschweig
(1294(?)-1412)
Bemerkung: Auch das Original b) zum Abdruck: Osten/mitte gehört zu diesem
Prägetypus!
Summa:
Für diesen Abdruck wurde wahrscheinlich ebenfalls ein von der Stadt
Braunschweig in der 1.Hälfte (?) des 14.Jahrhunderts geprägter Brakteat
verwendet.
- 43 -
IV.Position: Westen/links
Der zwar einigermaßen deutlich profilierte und auch durchaus strukturierte
Abdruck läßt wegen merklicher Verschwommenheit seiner Details den
Prägetypus des Originals nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit
vermuten, wofür in Frage kommen könnten:
a) 1) Fd.v.Brümmerlohe(1922)(vergraben um1240);Nr.24(m.Abb.); geprägt
in Salzwedel
2) Eberhagen(1987);Nr.62(Tfl.lll/62); geprägt in: Salzwedel
(um Mitte des 13.Jhs.)
b) 1) Bahrfeldt(1889);Nr.445(Tfl.XIV/445); geprägt in: Unbek.brandenb.
Münzstätte (2.Hälfte d.13.Jhs.)
2) Thormann(1976);Nr.292(a)(Tfl.XII/292(a)); geprägt unter. Nachf.v.
Fürst (Graf) Heinrich I.v.Anhalt (2.Hälfte d.13.
Jhs.)
3) Fd.v.Zeitz(1887)(vergraben:Letztes Drittel d. 13.Jhs.);Nr.19
(Tfl.VI/19); geprägt in: Erzbistum Magdeburg
(2.Hälfte d.13.Jhs.)
4) Fd.v.Borne(1907/8)(vergraben:1.Hälfte d.13.Jhs.);Nr.64(Tfl.XXI/64);
geprägt von: Unbek.Fürst(Graf) v.Anhalt.
Summa:
Das Original dieses Abdrucks könnte seinem wahrscheinlichen Prägetypus nach
etwa um die Mitte des 13.Jahrhunderts an einem unbekannten Ort geprägt worden
sein.
V. Position: Westen/mitte
Der an sich durchaus profilierte Abdruck macht wegen der zwar
vorhandenen, jedoch unklaren Strukturen eine sichere
Identifizierung des Prägetypus vom verwendeten Original
schwierig. Folgende Möglichkeiten scheinen dafür denkbar:
a) 1) B.Peus,Aukt.316(Nov.1986);Nr.1561(Tfl.LXXVlll/1 561); geprägt
unter: Landgr.Albrecht d.Unart.v.Thür. in Eisenach
(1265-1314)
Bemerkung:
Ähnliche Reiterbrakteaten werden z.B. zugeordnet an Kassel (Hermann II.
(1227-1242)), Königsee b.Schwarzburg (Günther V. (1259-1275)), u.a. !
b) 1) Denicke(1988);Nr.203(m.Abb.); geprägt unter: Herzog (o.Stadt)
v.Braunschweig (um 1300 ?)
Nicht auszuschlie8en ist im Prägebild auch die Figur eines (breitbeinig)
Sitzenden, wie etwa bei:
- 44 -
c) 1) Slg.Löbbecke(1925);Nr.931(Tfl.XL/931); geprägt unter. Heinrich
Raspe in Frankfurt/Main (1246-1247)
2) Slg.Bonhoff(1977);Nr.1536(m.Abb.); geprägt unter: Adolf v. Nassau
in Frankfurt/Main (1292-1298)
3) B.Peus,Aukt.316(Nov.1986);Nr.1576/1 577(Tfl.LXXVIII/1 576/1 577);
geprägt unter: Adolf v.Nassau in Frankf./Main (1292-1298)
Summa:
Für diesen nur unsicher zu deutenden Abdruck könnte nach den für möglich
gehaltenen Pragetypen ein um 1300 geprägter Brakteat unbestimmbarer Herkunft
verwendet worden sein.
Bei einer ersten Durchsicht dieser Zusammensteliung fällt sogleich auf, daß
anscheinend für fast alle Abdrücke Brakteaten verwendet wurden, die selbst
oder zumindest dem Prägetypus nach in die Zeit vor etwa der Mitte des
14.Jahrhunderts gehören. Zwei Vorbehalte sind allerdings hinsichtiich dieser
Beobachtung zu machen: Einmal (iegt bis heute noch keine zuverlässige
Zeitzuteilung (zwischen den Jahren 1294(?) - 1412) vor für die einzelnen,
auch bei den Glockenabdrücken mehrfach auftauchenden Löwenhohlpfennige aus der
Stadt Braunschweig, und zum anderen kommen für den Abdruck: "Osten/links"
zwei zeitlich um fast zwei Jahrhunderte auseinander liegende Originale in Frage:
Wie oben bei der Vorstellung der Abdrücke sehon angemerkt wurde, ist im Falle
des Abdrucks: "Osten/links" die Entscheidung zunächst offen zwischen den beiden
Möglichkeiten:
1) Das Prägebild stellt einen Löwenkopf von vorne mit offenem Rachen und
geperlter Mähne dar (vergl. z.B. Fiala(1910);Nr.773, auch Nr.774), weshalb
der entsprechende Brakteat dem Braunschw.-Lüneb.Hause zuzu- ordnen wäre /47/.
2) Das Prägebiid gibt einen Stierkopf von vorn mit etiichen Beizeichen wieder
(vergl. etwa Oertzen(1900);Nr.171 etc.), wie es um oder kurz vor 1500 in
Mecklenburg(Wismar('?)) bei der Prägung von (Doppel-)Pfennigen ver- wendet
wurde, welche dann z.B. im Fund von Westerborstel(1948); Nr.1 - 7, so
reichlich wieder zutage kamen.
In der Tat ist die Ähnlichkeit zwischen beiden Prägungen derart groß, daß
einerseits beim Abdruckproze8 die so geringen Unterschiede schon nahezu
völlig verwischt worden sein können, und andererseits auch der Gedanke
- 45 -
aufkommen kann, Fialas Identifizierung sei lediglich eine Täuschung
gewesen und es handele sich in Wahrheit in beiden Fällen um ein
und dieselbe Prägung, nämlich um die durch den Fund von
Westerborstel sicher belegten Stierkopf-(Doppel-)Pfennige. Gerade
dieser letzte Verdacht scheint nun aber durch die Existenz des
Abdrucks: "Osten/links" auf der alten Apenburger Glocke widerlegt
zu werden; denn weich' unwahrscheinliche Umstände mü8ten
beim Glockenguß
vorgelegen haben, damit damals zwar vierzehn Brakteaten aus den 13. - 14.
Jahrhundert, einer jedoch erst aus dem 15./16. Jahrhundert für
den Abdruck zur Verfügung stand !? Da scheint es erheblich
plausibler, eine Löwenkopf-Prägung aus der Zeit um etwa 1300
(entspr. Fiaia(1910);Nr.773) als gegeben anzunehmen und dessen
Verwendung für den Abdruck: "Osten/links" zu akzeptieren.
Auf der anderen Seite konnte bislang die individuelle zeitliche
Zuordnung von den der Stadt Braunschweig zugeschriebenen Lö
wenhohlpfennigen noch längst nicht zufriedenstellend gelöst
werden /48/. Die brauchbarsten Hinweise scheinen - au8er natürlich
die mögi i cherweise ermittelten Vergrabungszeiten von Funden,
die die fraglichen Pfennige enthielten - immer noch evtl. vorliegende
Untersuchungen des Silberfeingehaltes von den betreffenden Brakteaten
zu geben. Aus entsprechenden Bestimmungen, z.B. vor allem von Engelke
(1926), ergibt sich nämlich im Verlauf der hier betrachteten
Prägezeit dieser städtischen Braunschweiger Pfennige
(1294(?)-1412) ganz allgemein ein langsamer, z.T. allerdings wohl auch
stufenweiser Rückgang von etwa 800/1000 auf ungefähr 560/1000, und
vielieicht darf demnach für Werte oberhalb von grob 700/1000 eine
Prägung des betr. Brakteaten v o r der Mitte des 14.Jahrhunderts
vermutet werden. Doch alle diese Kriterien erfassen die hier
herangezogenen Prägungen aus der Stadt Braunschweig nur teilweise, so
daß bei ihnen in der gegebenen Auflistung ein von Fall zu Fall
mehr oder weniger zu beachtendes Fragezeichen bei der Prä
gezeitangabe angebracht wurde.
Bei aller Ber'ücksichtigung dieser Vorbehalte mu8 dann aber doch zugestanden
werden, daß nach dem Befund aus den Brakteatenabdrücken das von Bekmann
/33/ nach den Angaben von Pastor Schwerdt /41/ genannte Jahr 1334 als
Gußjahr der Glocke wohl schon noch in Frage kommen könnte (woher Pastor
Schwerdt diese Information auch immer gehabt haben mochte!?), zumindest
aber, da8 der Glockenguß durchaus noch v o r der Zerstörung Apenburgs
i.J.1343 erfolgt sein könnte.
Ein weiterer Hinweis in diese Richtung mag zu einem gewissen Grade
- 46 -
auch in der Zusammensetzung der für die Abdrücke verwendeten Brakteaten
zu sehen sein: Es ist doch recht auffällig, daß trotz der gewiß damals
schon vorhandenen Beziehungen von Apenburg zum relativ nahen Salzwedel
dessen Brakteaten sich höchstens nur zu einem Drittel, die aus dem
wesentlich ferneren Braunschweiger Bereich dagegen vielleicht bis hin
zur Hälfte der Abdrücke sich auf der Glocke wiederfinden! Nun hat es
zwar zwischen den Herren v.d.Schulenborg und dem Braunschw.-Lüneb.
Hause auch in der 2.Hälfte des 14.Jahrhunderts noch einige nähere
Beziehungen gegeben - z.B. als sie bei den Herzögen i.J.1364 mit ihren
Burgen Beetzendorf und Apenburg einen Dienstvertrag eingingen /49/ -,
doch haben die engsten Beziehungen zwischen Braunschweig und Apenburg
selbst wohl vor der dortigen Lehnsherrschaft derer v.d.Schulenburg
bestanden, als nämlich Herzog Otto der Milde noch die Verwaltung des
Leibgedinges seiner dann gegen Ende d.J. 1333 verstorbenen Frau Agnes
ausübte, und vielleicht hatte eine solche, damals engere Bindung dann
fatalerweise gerade auch die Zerstörung Apenburgs i.J.1343 zur
Folge (?). Jedenfalls könnte ein voraufgegangenes besonderes Verhältnis
des Ortes zum Braunschw. Hause oder zu dieser Stadt - dem möglicherweise
sogar auch eine gewisse Unterstützung beim damaligen Glockenguß selbst
entsprungen sein mag (etwa durch groBzügige Stiftungen oder Spenden zu
diesem Anlaß oder/und durch Vermittlung von Braunschweiger Glockengießern
- sich sehr wohl schon in der offensichtlichen Dominanz von Braunschweiger
Brakteaten bei der ohnehin überraschend großen Anzahl von Abdrücken auf
der Glocke niedergesch l agen haben, wie sie für deren Guß zu einer
späteren Zeit dann eigentlich weniger plausibel wäre.
- 47 -
Nachwort
Da dann also doch recht viel dafür spricht, daß die alte Glocke von Groß
Apenburg tatsächlich bereits aus der Zeit v o r der Ortszerstörung i.J.1343
stammt, stellt sich angesichts der früher angeführten Behauptungen die
Frage nach ihrem ursprünglichen Aufhängungsort. Am naheliegendsten ist da
gewiß die Vermutung, daß sie von Anfang an in der damals wohl bei den
kriegerischen Auseinandersetzungen schwer in Mitleidenschaft gezogenen,
danach aber wiedererrichteten Pfarrkirche am heutigen Platze zum
Gottesdienst gerufen hat. Wirklich ausgeschlossen werden kann aber derzeit
die Möglichkeit keineswegs, daß die Glocke zuvor an einer anderen Stelle
geläutet habe und daß sie dann erst später an ihrem jetzigen Orte untergebracht
wurde. So deuten sowohl die verschwommenen Ortstraditionen als auch - und
zwar wesentlich gewichtiger! - die umfangreichen Scherbenfunde von
Gebrauchskeramik etwa aus dem 13./14. Jahrhundert und die vielfachen
Reste gebrannten Hüttenlehms /30/ auf eine vormalige Siedlungsanlage knapp
südwestlich des heutigen Groß hin. Ob diese allerdings die Vorgängersiedlung
des jetzigen Ortes gewesen ist und ob dann der Wiederaufbau von Apenburg
i.J.1344 überhaupt auch tatsächlich mit einer Ortsverlegung verbunden gewesen
ist, wird möglicherweise erst die Ausgrabungs- Archäologie, evtl. in Verbindung
mit der Luftbild-Archäoiogie, durch eingehende Detail zu Umfang und Struktur
dieser jetzt wüsten früheren Anlage (z.B. auch über evtl. Anhaltspunkte für
eine dortige ehemalige Kirche und/oder Burgan l age) hinreichend sicher
beantworten können.