Die Klaus oder Klus Kapelle am Ortsausgang nach Pretzier gelegen


Von Friedrich-Wilhelm Schulz, Stappenbeck im April 2002


Über ihren Ursprung gibt es unterschiedliche Darstellungen. Nach alten Überlieferungen war sie eine Gutskapelle, die zu dem anliegendem Gut gehört haben soll. Für dieses Gut, oder grossen Hof werden als Besitzer genannt: um 1540 ein Heinrich Ribow und 1640 Bertold Riebau als Sohn des Bauern Joachim Riebau. Die Riebaus haben mehrmals den Dorfschulzen gestellt, wo bei es in Stappenbeck zeitweise zwei Dorfschulzen gegeben hat. Wahrscheinlich stand dieses in Zusammenhang mit geteilter Gerichtsbarkeit und Abgabenpflicht. Gerichtsbarkeit an die Rittergüter in Tylsen und Büssen. Von diesem Gutshof sind nur zwei grosse Bauernhöfe geblieben, die inzwischen kaum noch als solche zu erkennen sind.

In einer Sage wird von einer Wallfahrtskirche mit wundertätiger Kraft berichtet. Andererseits weis die Überlieferung aus alten Erzählungen, das es sich um eine Pilgerkapelle für die Pilger auf dem Weg nach Jerichow gehandelt haben soll.

Der Name Klus oder Klaus, deutet auf den heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Fuhrleute und Händler.

Nördlich zwischen Pretzier und Stappenbeck verläuft die alte Heerstrasse, ein alter Handelsweg der von den Fuhrleuten viel befahren wurde. Salzwedel war Mitglied der Hanse und ein bedeutender Handelsplatz. Da ist es nicht verwunderlich, wenn die Händler und Fuhrleute eine Stätte der Besinnung und der Einkehr in der Nähe der Handelsstrasse geschaffen haben. Vielleicht war auch eine Ausspannung vorhanden in der man die Nacht verbringen konnte, wenn die Stadttore schon geschlossen waren. Es liegt also nahe, dass diese kleine Kapelle dem heiligen Sankt Nikolaus geweiht war und als eine Stätte der Einkunft für Handels- und Fahrensleute gelten kann. Über den Zeitpunkt ihrer Errichtung liegen keine Kenntnisse vor.

Der Sage nach, soll sie dann irgendwann über eine wundertätige Gabe zur Heilung Kranker verfügt haben und zu einem Wallfahrtsort geworden sein.

Aus noch vorhandenen Dokumenten kann man ein nicht unerhebliches Spendenaufkommen für die Kapelle ersehen. Leider ist der Grund nicht vermerkt.

An Einzelspenden sind von 1692 bis 1701 zehn Spender mit einer Gesamtsumme von 9 Taler, 61 Groschen und 9 Pfennige aufgeführt. Bemerkenswert ist, das die Spender oft in weit entfernten Gegenden wohnten.

In späteren Jahren war die Kasse der Klauskapelle mit 20 Talern die kleinste. 1691 werden an der Klaus Kapelle Reparaturen in einem Umfang von 27 Taler durchgeführt. Über lange Jahre wurde in der Kapelle nur viermal im Jahr Gottesdienst abgehalten. (Sonntag nach Ostern, Pfingsten, Weihnachten und Erntedank) Zu den Gottesdiensten haben sich oft Gläubige aus entfernten Orten, bis Lüneburg eingefunden.

Den letzte evangelischen Gottesdienst hat man in den 60ziger Jahren abgehalten. Danach wurde sie zeitweise als Kerzenlager von der Salzwedeler Kerzenfabrik genutzt. Zuvor war der Altar und das Gestühl von Dorfbewohnern ausgebaut und verheizt worden. Nach Mitteilung älterer Bewohner, war der Altar und die Ausstattung schlicht, aber trotzdem ansprechend.

Nach dem Zeiten Weltkrieg wurden in der Klaus Kapelle neben den wenigen evangelischen, vor allem katholische Gottesdienste gehalten. Von der Katholischen Kirche gab es Bestrebungen, das Gotteshaus für die im Kreis ansässigen Katholiken von der evangelischen Kirche zu erwerben und herzurichten, um in der neuen Heimat ein eigenes Gotteshaus zu besitzen. (Durch Flucht und Vertreibung aus Schlesien und den Sudeten während und nach dem II. Weltkrieg, haben viele Katholiken in der evangelische Altmark eine neue Heimat gefunden.) Leider konnten sich die zuständigen Stellen nicht einigen, die evangelische Kirche war nicht bereit die Klaus Kapelle ihren Glaubensbrüdern zu überlassen. So ist sie trotz Denkmalschutzschildes mehr und mehr verfallen. Nach der Wiedervereinigung wollten sich hinter der Kapelle Menoniten ansiedeln, die Kapelle renovieren und dort ihre Gottesdienste abhalten. Aber auch dieser Plan ist aus verschiedenen Gründen nicht zur Ausführung gelangt.

1991 hat dann die Gemeinde Stappenbeck, mit Unterstützung des Kreises dringende Sanierungsarbeiten durchführen lassen. Das Dach, der Turmreiter und Teile des Dachstuhls wurden erneuert. Man hat auch die Turmkugel geöffnet, leider haben sich nur verwitterte Aufzeichnungen des Pfarrer Hesselbarth gefunden. Erhoffte Inhalte älteren Datums waren nicht vorhanden.

Die Sage weiß über die Klaus Kapelle folgendes zu berichten:

Die Kapelle hatte neben den beiden Eingangstüren, am Giebel zum Dorf und auf der rechten Seite, gegenüber dem früheren Gutshof gelegen, ein Loch auf der gegenüber liegenden Seite. Ob es schon bei der Errichtung eingebaut worden ist, oder später eingebrochen wurde, ist nicht überliefert. Mit diesem Loch hatte es eine besondere Bewandtnis.

Wer durch dieses Loch gekrochen ist, wurde von seinen Leiden geheilt, mit welcher Krankheit auch immer er behaftet sein mochte. Diese Wunder der Heilung wurden natürlich in der näheren und ferneren Umgegend bekannt und von allen Seiten kamen Kranke und Leidende nach Stappenbeck, um durch das Loch in der Kapelle zu kriechen, um so von ihren Leiden geheilt zu werden. Der Name des Ortes, Stappenbeck wurde weit über die Grenzen der Altmark bekannt. Die Kapelle entwickelte sich zu einem wahren Wallfahrtsort. Die Kasse klingelte, denn alle Geheilten spendeten reichlich. Vielleicht hätte die Wunderkraft der Klaus Kapelle bis in unsere Tage angehalten, wenn da nicht der Frevel der Stappenbecker gewesen währe. Sie liessen nämlich eines Tages auch ihr krankes Vieh durch das Loch kriechen, was nicht einfach war, man musste kräftig nachhelfen. Von Stund an war die Wunderkraft verschwunden. In Stappenbeck erscholl ein grosses Klagen, man versuchte den Frevel durch das Lesen von Messen zu sühnen. Doch alle Messen, Gebete und Jammern halfen nicht, die Wunderkraft war gewichen und kehrte nicht zurück.

Schließlich stellten die Stappenbecker den Gottesdienst in der Kapelle ganz ein und überliessen sie ihrem Schicksal. Sie verfiel zusehends, Dornen und Gestrüpp wucherten auf dem Schutthaufen.

Durch diese Verachtung der heiligen Stätte wurde die Sünde der Stappenbecker noch vergrössert und Gott strafte sie dafür. Sie wurden nun mit dem gestraft, mit dem sie gesündigt hatten. Ihr Vieh, welches der Ruine der Klaus Kapelle zu nahe kam, verunglückte auf seltsame Weise. Brach sich die Glieder oder wurde von Krankheiten befallen. Da erkannten die Bewohner ihre Sünde und gingen in sich, sie rodeten die Dornen und Sträucher, entfernten die Trümmer und errichteten die Kapelle am gleichen Platz erneut. In der neuen Klaus Kapelle wurden alljährlich einige Gottesdienste gehalten und der Fluch fand sein Ende. Das Vieh der Stappenbecker gedieh besser den je.

Eine andere Sage berichtet: Ein Ritter mit Nahmen Klaus, soll seinen Bruder im Streit erschlagen haben. Um Abbitte zu tun, hat er als Busse die Klaus Kapelle am Ort der Tat erbauen lassen.

 

Quellen:

Riedel V Seite 337 Nr.81

Riedel XIV Seite 324 Nr. 330

Kassenbuch des Pfarramtes Stappenbeck 1684 bis 1730

Mündlich überlieferte Sagen zur Klaus Kapelle

Uwe Czubatynski

Evangelisches Pfarrerbuch für die Altmark

Halle 2 000


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